INklusiv oder EXklusiv

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Das heutige Cantianstadion. Foto: Mangan02/Wikimedia

Momentan findet ein Tauziehen um den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark statt. Wir haben darüber bereits mehrfach berichtet. Auf der einen Seite stehen mehrere Senatsverwaltungen sowie Vertreter*innen von Menschen mit Behinderung, auf der anderen eine Bürgerinitiative sowie mehrere Vereine, die hier wohnende Menschen repräsentieren. Organisiert und moderiert wird dieser Dialog (im Fachjargon heißt das Partizipationsverfahren) von einer Agentur namens die Raumplaner.

Bei so einem sportlichen Wettbewerb geht es natürlich hoch her. Zum Beispiel werfen einige Teilnehmende der „Gegenseite“ den Vertretern der Bürgerschaft vor, sie seien gegen Inklusion. Deshalb haben wir gezielt einige Menschen mit Behinderung, die hier im Brunnenviertel leben, zum Thema befragt. Und zwei von ihnen haben tatsächlich geantwortet.

Einer, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagt zum Thema Neubau, Umbau oder Zweitbau:

„… eigentlich könnte es wegen mir so bleiben, wie es ist. Ich finde es jetzt sehr schön.“

Ein zweiter hat eine ausführliche Stellungnahme verfasst, die wir hier einfügen.

Wenn Sie sich auch äußern möchten, schicken Sie uns bitte eine Mail: verein(at)brunnenviertel.de

Wir freuen uns über jede Stellungnahme.

Neubau, Umbau, Zweitbau?

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Brunnenviertels soll eine Großbaustelle entstehen. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark soll zu einem inklusiven Stadion umgebaut werden. Inklusiv heißt: Menschen mit Behinderungen sollen hier Sport treiben und Wettkämpfe austragen können. Und sie sollen künftig auch als Zuschauende das Stadion ohne Begleitpersonen nutzen können. Soweit so verständlich. Einige Fragen sind aus unserer Sicht dennoch offen.

Drei Varianten

Im Gespräch sind momentan drei Varianten:
1. Umbau und Erhalt des vorhandenen Stadions
2. Abriss des Stadions und Neubau eines inklusiven, d.h. ca. dreimal größeren Stadions an gleicher Stelle
3. Neubau eines inklusiven Stadions an anderer Stelle mit Erhalt und Umnutzung von Teilen des bestehenden Stadions (Zweitbau)
Diese drei Szenarien werden im kommenden Bürgerbeteiligungsverfahren diskutiert. Wir haben bereits eine Umfrage im Kiez gestartet, um hierüber ein Meinungsbild der Anwohnenden zu erhalten.

Stimme der Architekten

Hört man sich unter Architekten um, dann sollte das vorhandene Stadion erhalten bleiben. „Insbesondere vor dem Hintergrund von Klimaschutz, Abfallvermeidung und Ressourcenschonung ist der Abriss zu hinterfragen“, sagt der Bund Deutscher Architekten. Die Haupttribüne ist identitätsstiftend, behutsame Sanierung sei einer brachialen Umgestaltung vorzuziehen. Dem Aufruf „Abrissplanungen im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sofort stoppen!“ hat sich der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten angeschlossen. Die Zeitschrift Bauwelt nennt das vorhandene Stadion emblematisch und sieht einen baukulturellen Wert.

Position des Vereins

Auch wir ziehen einen Umbau des traditionsreichen Sportstadions einem Abriss und Neubau vor.

Dem Ziel des Senats, einen inklusiven Sportpark zu schaffen, stehen wir positiv gegenüber. Allerdings wollen wir Menschen mit Behinderungen im Brunnenviertel gezielt befragen, worauf es ihnen wirklich ankommt. Vor allem die geplante Größe des Stadions und dessen Nutzung für profitable Massenveranstaltungen sehen wir kritisch. Wir befürchten, dass Inklusion als Vorwand genutzt wird, um ein Drittliga-Fußballstadion zu bauen. Einerseits respektieren wir die Interessen des Sports, andererseits stehen wir der angepeilten Nutzung skeptisch gegenüber.

Die Auswirkungen des neuen Großstadions hätten wir Anwohner zu tragen. Wir sprechen z.B. von der Lärmbelästigung und dem Müll. Schon jetzt ist der Suchverkehr der mit dem Pkw anreisenden Zuschauer der Max-Schmeling-Halle schwer aushaltbar. Obendrein müssen wir mit Falschparkern auf Gehwegen leben. Das geplante Parkhaus soll nur den Sportlern offen stehen; warum wird nicht auch Parkraum für Zuschauer geschaffen? Wird die Parkraumbewirtschaftung auch im Brunnenviertel kommen – und auch mit höheren Gebühren an Spieltagen? Werden Sportveranstalter Eintrittskarten mit ÖPNV-Tickets anbieten oder beim Verkauf der Tickets gleich auf fehlende Parkmöglichkeiten hinweisen?

Informationen des Senats

Es gibt eine Machbarkeitsstudie mit dem Titel Gesamtkonzept, die von der Webseite mein.berlin.de heruntergeladen werden kann. In dieser wird aber nur zu Flächennutzungen Stellung bezogen.

WAS MEINEN SIE?