Alex Koch wird dem Kiez fehlen

Alex Koch konnte beides sein – kompromisslos und herzlich. Nun ist er gestorben. Dem Kiez wird sein Einsatz fehlen. Er war ein Mensch, der öffentlich für seine Sache kämpfte. Barrierefreiheit war sein Thema. Er wollte Stufen abschaffen, besorgte Rampen für Geschäfte im Brunnenviertel, startete Kunstaktionen und sprach in Vorträgen über Hindernisse im digitalen Raum.

Der Vorstand des Brunnenviertel e.V. bekundet seine Trauer und teilt einige persönliche Erinnerungen an ihn.

Alex Koch im Rollstuhl bei einem Geschichtscafé von Anno Erzählt. Foto: Andrei Schnell

Beate Chudowa:
Alex Koch setzte sich besonders für Menschen mit Behinderung ein. Über den Verein Kiezrollers e.V. half er z.B. Anträge für Hilfsmittel so auszufüllen, dass die Antragsteller genau das bekamen, was ihnen zustand und was sie wirklich brauchten. Er engagierte sich im Behindertenbeirat des Stadtbezirkes Berlin-Mitte. Wenn es um Fürsorge und Durchsetzung von Rechten ging, war er ein Kämpfer und ließ nicht locker.  Er verhandelte stets lösungsorientiert mit den Ämtern. Auch im Kiez hat er uns für sein Thema sensibilisiert und wir sind durch ihn aufmerksamer geworden: Er zeigte, dass auch kleine Veränderungen eine große Wirkung haben können. Alex wird uns sehr fehlen.

Angelika Schön:
Ich werde Alex Koch vermissen. Als ich darum kämpfte, dass das Cantian-Stadion nicht abgerissen werden soll, hat er mich mit einer sehr persönlichen Stellungnahme unterstützt, die ich veröffentlichen durfte. Er erklärte ganz klar den Unterschied zwischen INklusiv und EXklusiv, den ich vorher gar nicht so deutlich verstanden hatte. Mit dieser Klarheit und auch damit, dass er sich so furchtlos zeigte, hat er mich sehr beeindruckt.
Ansonsten bin ich Alex immer wieder begegnet, an wichtigen Brennpunkten im Viertel. Da wird er mir von nun an fehlen.

Dunja Berndt:
Ich möchte nach meinem Urlaub noch etwas schreiben.

Andrei Schnell:
Bei meiner ersten Begegnung mit ihm gab es dieses seltsame Gefühl, dass ich auf ihn hinunterblickte und gleichzeitig mit ihm auf Augenhöhe sprach. Zwangsläufig musste man den Kopf neigen, weil Alex Koch im Rollstuhl saß. Genauso zwangsläufig spürte ich, dass da jemand vor mir saß, der anpacken wollte. Gefühle des Mitleids kamen bei mir gar nicht erst auf. Das war vielleicht 2014 oder 2015. Oder sogar 2016? Er sprach von seinem Projekt Rollers e.V. und wie er Rollstühle im Stil von Stiftung Warentest kritisierte. „Die Hersteller waren das gar nicht gewohnt“, erzählte er mir in seiner entschlossenen Art, „die haben gedacht, die können machen, was sie wollen.“ Für den ernsthaften Alex Koch war das eine Zumutung, dass jemand etwas macht, ohne zu Ende zu denken. Etwas später traf ich ihn und er sprach davon, dass er unbedingt etwas zum Thema Barrierefreiheit im Brunnenviertel machen wolle. Ein gefördertes Projekt beantragen. Er sagte es mit einer Gewissheit, als ob es gar nicht anders denkbar wäre, dass Quartiersrat, Bezirk, Senat und das Team des Quartiersmanagements seiner Idee zustimmen müssten. Er hat es tatsächlich geschafft, nacheinander zwei Projekte bewilligt zu bekommen und umzusetzen. Im ersten der beiden Projekte notierte er alle Stufen, Treppen und Hürden, die im Brunnenviertel mit wenig Aufwand abgeschafft werden könnten. Er erzählte mir, wie er mit kompromisslosen Worten einer Mitarbeiterin der Wohnungsbaugesellschaft Degewo klarmachte, dass die Neugestaltung der Sitzbänke in der Brunnenstraße 68 nicht durchdacht war. „Das sieht alles toll aus, aber für alte Menschen mit Krücken oder mich mit Rollstuhl nicht erreichbar“. Unterton: Nicht zu Ende gedacht. In seinem zweiten Projekt während der Coronajahre lud er mich zu digitalen Sitzungen ein. „Inklusion in Theorie und Praxis“. Ich habe selten daran teilgenommen. Brauche ich nicht, habe ich für mich beschlossen, aber ihm nicht gesagt. Denn er hätte vermutlich kommentiert: Nicht zu Ende gedacht.

Alex Koch beim Quartiersrätekongress 2016. Foto: Andrei Schnell
Alex Koch – ernst und ernsthaft. Foto: Andrei Schnell

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