Die Ehre der ungestümen Maler

Vorurteil: Graffitimaler halten sich an keine Regeln. Graffitilobbyist: Künstler der Szene halten sich ungeschriebene Regeln. Hier unser Bericht vom ersten Eckgespräch am 7. April:

Plötzlich tritt Marco Lauber durch die Tür. Er gehört zum Kreis der engagierten Mitstreiter der Graffiti Lobby Berlin. Wenn er berlinert, dann mit dem leicht ostdeutschen Einschlag, den nur der heraushört, der in Köpenick, Lichtenberg oder so aufgewachsen ist. Er macht nicht viele, aber dafür genaue Worte und verrät so, dass er seit mehr als 30 Jahren die Szene der Sprüher beobachtet, in ihr mitmischt und ihre Interessen vertritt. Eingeladen in das von den Vereinsmitgliedern liebevoll grüne Zimmer (wegen der Wandfarbe) genannte Vereinseck war eigentlich die SPD-Fraktion. Doch Susanne Fischer, Fraktionsvorsitzende in Mitte, und Svenja Linnemann, ehemaliges Fraktionsmitglied, haben Marco Lauber kurzerhand als dritten Gast mitgebracht; damit er aus erster Hand über die Graffiti-Wand im Park auf dem Nordbahnhof sprechen kann.

Hall of Fame nennen die Graffiti-Künstler die im April 2023 vom Bezirk freigegebene Wand, die beim Bau der Berliner Mauer als sogenannte Hinterlandmauer entstand. Die Ruhmeshalle – oder eher Ruhmeswand – ist kein Museum, wie die berühmte East Side Gallery. Übersprühen ist Teil des Konzepts Hall of Fame. Das heißt, Künstler aus aller Welt können jederzeit ihre Graffitis anbringen und dabei entscheiden, welche Bilder sie sichtbar lassen und welche durch neue Kunstwerke ersetzt werden. Nicht für die Ewigkeit gemalt, sondern wie das gesprochene Wort für den richtigen Moment. So können Spaziergänger an der Wall immer wieder Neues entdecken.

Der Überraschungsgast Marco Lauber kam am 11. April um 19 Uhr zum ersten Eckgespräch. Unter dem Namen Eckgespräch organisieren wir vom Brunnenviertel e.V. seit diesem Jahr Treffen ohne Formzwang zwischen Bezirkspolitik und Anwohnern.

Eckgespräche – Graffiti im Park

Wir laden am 11. April um 19 Uhr die SPD-Fraktion-Mitte zu einer Unterhaltung ein. Thema: Warum setzen Sie sich für Graffiti im Park auf dem Nordbahnhof ein?

Seit April 2023 darf die Graffiti-Lobby Berlin offiziell einige Mauerreste am Park auf dem Nordbahnhof für eine Hall of Fame, die North Side Gallery, nutzen. Der Gleichklang mit dem berühmten Namen East Side Gallery in Friedrichshain dürfte gewollt sein. Legal und illegale Wände zum Besprühen und Übersprühen wurden ausgewiesen.

Über die politische Diskussion zur neuen Freiluft-Wechsel-Ausstellung, über ihren Sinn und Zweck, über Hoffnungen und Wünsche – darüber sprechen am Donnerstag bei uns im Eck Susanne Fischer und Svenja Linnemann. Susanne Fischer ist eine von zwei Fraktionsvorsitzenden. Svenja Linnemann ist ehemalige BVV-Verordnete für die SPD und war maßgeblich verantwortlich für den Ursprungsantrag zur Hall of Fame. „Mehr Graffiti-Sprühflächen für Mitte – Geduldete Hall of Fames am Nordbahnhof dauerhaft legalisieren und für die Allgemeinheit zugänglich machen!“ Das lautet der Titel dieses Antrages der Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV).

Eckgespräche

In der Reihe Eckgespräche laden wir ungefähr einmal im Monat abwechselnd die großen Fraktionen der BVV in unser Vereinseck ein. Thema des Abends ist je ein Antrag der Fraktion, der sich mit dem Brunnenviertel beschäftigt.

Es gibt kein Podium, alle Gäste sitzen an einem Tisch. Das Gespräch – oder die Unterhaltung – bei Schorle und Brause soll ein gemütlicher Abend sein, es darf abgeschwiffen werden.

Für Wein, Weinschorle und Brause bitten wir um Spenden von zwei bis drei Euro.

Gründerin Hella Weingart gestorben

15. Juni 1942 bis 19. Juni 2023

Mit Hella Weingart verlieren wir eine – wenn nicht die – Gründerin des Brunnenviertel e.V. Vor nun schon mehr als 20 Jahren hat sie unseren Stadtteilverein gegründet. Sie arbeitete damals bei der Wohnungsbaugesellschaft Degewo und wollte mit der Vereinsgründung die Menschen im Stadtteil bewegen, sich für ihren Kiez einzusetzen. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war die Suche nach einem Namen – für das ganze Quartier und damit für unseren Verein. Wir haben ihr also viel zu verdanken. Einen schöner an Hella erinnernden Artikel über diese Zeit findet sich im Kiezmagazin brunnen.

Hella Weingart ist ihrem Verein und somit uns bis zum Schluss treu geblieben. Sie hat sich bei den jährlichen Sitzungen über unsere große und kleine Erfolge sehr gefreut. In Gesprächen für eine angedachte Vereinschronik hat sie lebhaft von den Zeiten der Vereinsgründung berichtet. Es war offensichtlich, dass ihr der Brunnenviertel e.V. eine Herzensangelegenheit war.

Sie hat sich auch in Britz in einem Stadtteilverein engagiert. Britz ist der Stadtteil, in dem sie gewohnt hat.

Eine Traueranzeige in der Zeitung kündigt die Beisetzung für den 27. Juli um 12 Uhr in der Kapelle auf dem Böhmischen Gottesacker am Karl-Marx-Platz in Neukölln an.

Jutta Hackbarth (1941 – 2023)

Am 18. April ist unser Mitglied Jutta Hackbarth verstorben. Sie war Gründungsmitglied; gehörte also zu denen, die unseren Verein vor 22 Jahren auf die Beine gestellt haben. Sie hat sich über zwei Jahrzehnte lang in den Verein aktiv eingebracht. Unter anderem war sie für die Kassenführung verantwortlich. In Erinnerung bleibt sie uns ihr präzises Auge – Fehler aller Art entdeckte sie prompt. Diese Hilfe wird uns fehlen.

Die Entwicklung des Brunnenviertels lag Jutta Hackbarth am Herzen. Auf dem Foto ist sei bei einer Aktion zur Rettung des Freibades im Humboldthain zu sehen. Es ist vielleicht in Vergessenheit geraten, dass Berlin Anfang der 2000er Jahre überlegte, das Bad zu schließen.

Sie führte ein Archiv mit Zeitungsartikeln. Wir sind dankbar, dass sie diese Sammelordner dem Verein zur Lektüre zur Verfügung gestellt hat.

Wir trauern um ein engagiertes und hilfsbereites Mitglied.

Garten-Speeddating am 13. Mai

Baumscheibe
Symbolbild für einen Minigarten in der Stadt. Foto: Andrei Schnell

Wir haben ein Garten-Speeddating zu bieten. Was ist Garten-Speeddating? Während unseres Rundgangs am 13. Mai stellen wir euch Gärten vor, die trotz des aufkommenden Frühlings leider noch single sind, dies aber nicht länger bleiben möchten. Wenn ihr einen Garten spannend findet, könnt ihr direkt vor Ort – oder nach dem Rundgang – die Patenschaft für diesen übernehmen. Ein Garten kann eine Minifläche, eine Schale, ein Hochbeet oder eine Baumscheibe sein.

Am 13.05.2023 um 11:00 Uhr treffen wir uns in der Graunstr. 28 für einen Rundgang, bei dem wir euch die wunderbaren Gärten des Brunnenviertels zeigen wollen.

Das Event organisieren wir vom Bunnenviertel e.V. für euch, die Freund*innen des Urban Gardenings.

Haben wir Eure Neugier geweckt? Dann kommt vorbei.

P.S. Natürlich ist der Bolli, unser kleines Wägelchen, auch wieder mit von der Partie.

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